Marienkapelle Obertheres

Der hl. Bischof Otto I. von Bamberg kam im September 1123 selbst nach Obertheres, um drei Kapellen der Benedektinerabtei Theres einzuweihen.

Eine davon, die Marienkapelle, muss man wohl mit der heutigen Friedhofskapelle identifizieren.



Als ältester Bestandteil des Gotteshauses gilt das Untergeschoss vom Chorturm, dem in der Spätgotik östlich ein Polygonchor angefügt wurde. Wegen seines geschlossenen Erscheinungsbildes hielt man das saalförmige Langhaus für ein einheitliches Werk des frühen 18. Jahrhunderts (Datierung 1722). Bei jüngsten Instandsetzungsarbeiten kam jedoch an der südlichen Außenmauer eine zugesetzte Tür mit reliefverziertem Türstock zum Vorschein, der Anlass zum Zweifel an der bisher angenommenen Baugeschichte gibt. Sollte der Türsturz an seiner ursprünglichen Stelle sitzen – alle Anzeichen sprechen dafür – so wäre dies der Beleg, dass die Südwand der Kirche oder zumindest Teile davon, wie auch der Chorturm, der vorgotischen Zeit angehören müssten. Mit diesem Türsturz ist ein hochbedeutendes Zeugnis der Bauornamentik (sog. Speyerer Stil) aus der Zeit Bischof Ottos I. bekannt geworden und der auch als Bauleiter u.a. am Speyerer Dom tätig war. In seiner Symbolik weist der Türstock mit seinem Weinrankenornament auf das Altarsakrament hin (Ich bin der Weinstock…,ich bin die Tür…).

Beiderseits des Mittelganges, an der Westwand, stehen zwei sog. Stallenfragmente eines mittelalterlichen Chorgestühls mit Schulterringen. Auch die Klappsitze sind original. Besonders charakteristisch – weil bisher an keinem Parallelbeispiel nachzuweisen – ist die Frontornamentik dieser Werkstücke. Alles weist darauf hin, dass es sich um Teile einer größeren Chorgestühlsanlage aus der Mitte des 13. Jahrhunderts handelt. Offensichtlich stammen sie aus der unter Abt Gregor Fuchs II. abgebrochenen mittelalterlichen Klosterkirche, waren für die Instandsetzung der Marienkapelle brauchbar und wurden als Honoratiorengestühl eingearbeitet.

Über dem Eingangsportal findet sich ein Dreischildwappen. Der sächsische Rautenkranz (links) weist auf den aus sächsischem Grafengeschlecht stammenden Klostergründer, Bischof Suidger aus Bamberg (spät. Papst Clemens II.) hin. Der Babenberger Adler erinnert an den „sagenhaften“ Klostergründer, Graf Adalbert von Babenberg, der im Jahre 906 wegen Landfriedensbruches (Babenberger Fehde) hier enthauptet wurde. Der springende Fuchs aus dem Wappen des Abtes Gregor Fuchs II. rühmt den großen Barockbauherrn. Unter ihm wurde 1722 die Marienkapelle umgebaut und vergrößert. Eine würdige Innenausstattung ließ jedoch länger auf sich warten. Erst 1739 setzten die Arbeiten an den Altären ein, um 1741 mit dem Aufstellen des Hochaltars ihren Abschluss zu finden. Mit den Stuckmarmorarbeiten leistete man sich etwas Besonderes, war dieser Stuckmarmor doch wertvoller als echter. Der Verfertiger ist unbekannt.

Bei den Holzstatuen der Altäre u. den geschnitzten Betstuhlwangen kam der Thereser Bildhauer Thomas Wagner (Vater des berühmten Johann Peter Wagner) zum Zuge. Die Kapelle ist insofern ein Kleinod, als ihre Konzeption nicht den üblichen Stil des fränkischen Barock aufweist, sondern italienischen Einfluß zeigt. Die Altäre kommen ohne Altarbilder aus und bilden mit dem Raum eine architektonische Einheit. In der ganzen Ausgestaltung entspricht die Marienkapelle dem Zeitgeschmack des Spätbarock. Die seitlichen Figuren des Hochaltars zeigen den hl. Joachim und die hl. Anna (Th.Wagner). Die vor dem kahlen Halbrund der Mittelnische auf Wolken knieenden, nahezu vollplastischen Figuren der Hll. Barbara und Johann Nepomuk kennzeichnen den auch bei Wagner ganz ungewöhnlichen Reichtum der Oberflächendifferenzierung. Ebenfalls von Th.Wagner stammt das Dreischildwappen über dem Portal. Die Herkunft der wertvollen Renaissancekanzel (1706) ist unbekannt. Die Figur des hl. Michael auf dem Schalldeckel ist noch älter. Über die Herkunft der restlichen Heiligenfiguren ist nichts bekannt. Dies sind: St. Sebastian, St. Josef, St. Jodokus (Südwand) und St. Urban, Anna Selbdritt, Maria mit Kind, St. Antonius (Nordwand).

Ebenfalls unbekannter Herkunft sind die Ölgemälde: Schmerzensmann und –mutter (Chor), die Kirchenväter Hieronymus, Ambrosius, Augustinus, Gregorius (Empore), Petrus (rechte Rückwand) und Maria Magdalena (linke Rückwand). Die Überlieferung will wissen, dass auch der am 11. Juni 1747 hier geborene, später kurmainzische Hofbildhauer, Joh. Seb. Barnabas Pfaff zur Ausstattung der Marienkapelle beigetragen habe. Belege dafür finden sich nicht.

Das hübsche kleine Orgelwerk mit dem dreigliedrigen Prospekt stammt aus der Bauzeit der Kapelle. Der Erbauer dürfte in Würzburg zu suchen sein: Johann Hofmann, der zur gleichen Zeit die Orgeln für die Abteikirche gebaut hat. Es handelt sich um eine der wenigen noch fast unverändert erhaltenen Barockorgeln Unterfrankens.

Die vier großen Ölgemälde Geburt Christi, Kreuzigung, Kreuzabnahme und die Anbetung der Könige (Chor) stammen vom Schweinfurter Auftragsmaler Conrad Geiger, der um 1780 für das Kloster Theres tätig war.

Jüngster Ausstattungsgegenstand ist der Rosenkranz an der Südwand der Kapelle, er wurde vom hiesigen Künstler Georg Johann Arnold geschnitzt. Arnold fertigte den Rosenkranz aus den Kastanienbäumen, die dem Bau der König-Ludwig-Westbahn (1852) zum Opfer fielen. Er war u.a. auch im Schloß Theres tätig und schuf die Gemälde im Rittersaal und Jagdzimmer im heutigen Schloß (ehem. Benedektinerabtei).

Das Steinkreuz an der südlichen Außenmauer (Friedhof) ist von Thomas Wagner.

1896 fand eine Innenrenovierung statt. Zur Deckung der Kosten gab es zur Wiedereröffnung ein Benefizkonzert. Von den Besuchern wurde ein nicht unerheblicher Eintritt verlangt.

1975/1976 wurde eine Außenrenovierung der Marienkapelle durchgeführt.

Als eine der ersten baulichen Maßnahmen führte Pfarrer Rainer Kunkel 1984 eine Innenrenovierung der Marienkapelle statt. Auch die barocke Orgel war in dieser Maßnahme enthalten.

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