Im 13. Jahrhundert ist dieses Ehrenamt in Franken entstanden. Erkannten doch dort die fränkischen mark- und Feldgerichte, dass vor Ort Ansprechpartner in den einzelnen Dörfern nötig waren. die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten.

Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts war das Amt ausschließlich den Herren der Schöpfung vorbehalten. Frau Hedwig Schuhmann aus Wüstenwelsberg bei Ebern wurde 1982 die erste Siebenerin in Bayern. Mit Frau Karin Hümpfer aus Horhausen kam 2004 in der Gemeinde Theres erstmals eine Frau ins Siebener-Amt. In den Vermessungsämtern wechseln die Beamten, werden versetzt, anderen Ressorts zugeordnet. Anders ist es bei den Siebener: Einmal Siebener immer Siebener heißt es im Regelfall. Lebenslang, bis Tod oder eine schwere Krankheit das Amt auf natürliche Weise beenden, sind die Männer und Frauen tätig. Der Begriff Siebener kommt daher, weil ursprünglich eine Gruppe von meist sieben Personen in der Gemeinde zur Regelung und Bestimmung von Grundstücksgrenzen eingerichtet wurde. Als Mindestzahl heute werden vier Personen gefordert.

Bis zum Erlass des Abmarkungsgesetzes im Jahr 1900 hatten die "Märker" (Siebener) das Recht Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen. Seitdem unterstehen die "Siebener" den Vermessungsämtern. Dennoch sind sie berechtigt, in begrenztem Umfang selbständig tätig zu werden. Sie können beispielsweise von Eigentümern zur Sicherung oder Erneuerung eines Grenzzeichens bestellt werden. Bei Unstimmigkeiten haben sie aber keine Entscheidungsbefugnis mehr.

Von besonderer Bedeutung ist das "Siebenergeheimnis", eine von Gemeinde zu Gemeinde verschiedene, vor allem in Franken althergebrachte Methode, um festzustellen, ob Grenzzeichen in ihrer Lage unversehrt sind. Mit geheimen Zeichen und Markierungen - welche nur mündlich an den Nachfolger weitergegeben werden - , etwa in Form von Marksteinzeugen, wird der Punkt des zu setzenden Grenzsteines gekennzeichnet. Die modernen Vermessungsverfahren erlauben zwar eine zentimetergenaue Wiederherstellung von Grenzpunkten, das "Siebenergeheimnis" wird dennoch traditionsgemäß bewahrt. In einer Dienstordnung aus dem Jahre 1868 heißt es hierzu: "Die Wahl der zum Belegen der Grenzsteine zu verwendeten Gegenstände ist dem Ermessen der Feldgeschworenen anheim gegeben, welche hierüber das strengste Stillschweigen zu beachten haben. Gemäß dem abgelegten Eid haben sie das Geheimnis lebenslang zu bewahren."

Wofür werden die Siebener heute noch gebraucht? Vor allem sind sie die Hüter der Grenzsteine in den Gemeinden. Sie wechseln defekte Steine aus, setzen ausgeackerte Steine neu und werden tätig, wenn Grenzzeichen gesichert werden müssen. Dank ihrer Ortskenntnis können sie aber auch zum Mittler zwischen Bürger und Behörden werden. Die Siebener müssen zahlreiche Grundregeln kennen und einhalten. Eine davon ist stets das Vier-Augen-Prinzip einzuhalten. Deshalb wird nie ein Feldgeschworener alleine tätig. Außerdem wird vermieden, dass ein Siebener tätig wird, wenn er in irgendeiner Weise selbst betroffen ist. Dies geht vom verwandtschaftlichen bis hin zum nachbarschaftlichen Verhältnis oder einer betrieblichen Zugehörigkeit. Großer Wert wird auf das Abnahmeprotokoll gelegt, das letztlich zu einem wichtigen Dokument, ja sogar zur Urkunde wird. Nur wenn alle Beteiligten bei einer Grenzfestlegung vertreten und sich einig sind und die Grenze nicht verweigern oder bestreiten, ist die Abmarkung der juristisch gültige Verwaltungsakt.

Seit 2010 gibt es auch eine Frau unter den Feldgeschworenen in Theres im Ortsteil Horhausen. Es ist Frau Karin Hümpfer. Sie war auch die erste Feldgeschworene im Bereich der VG Theres.

Das Feldgeschworenenwesen ist als "ältestes Ehrenamt mit Geschichte" bekannt und hat - trotz Digitalisierung und Nutzung modernster Geodaten - nach wie vor nicht an Bedeutung verloren. Typischerweise sind es Gruppen von sieben Feldgeschworenen (Siebener), welche über die Einhaltung von Grundstücksgrenzen wachen und sorgen durch Grenzsteinsetzung für deren Sicherheit. Ihr Leitspruch war und ist "Tue Recht, fürchte Gott und scheue niemand." Sie sind damit das Rückgrat der bayerischen Vermessungsbehörden auf kommunaler Ebene.

Im Jahr 2016 wurde das Feldgeschworenenwesen in Bayern in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes (Traditionen und Bräuche) aufgenommen. Davon gibt es nun 10 in Bayern.

Weitere Infos zu den Feldgeschworenen in Bayern finden Sie auch unter:
Opens external link in new windowhttp://vermessung.bayern.de/feldgeschworene/KommunalesEhrenamt.html

Opens external link in new windowhttp://www.vermessungsamt-schweinfurt.de/artikel

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