Johann Peter Wagner

Er war damals das vierte Kind und erster Knabe unter den sechs Kindern von Thomas Wagner und seiner Ehefrau Anna Maria. Er sollte nicht nur der lang ersehnte Stammhalter der Familie sein, sondern durch sein künstlerisches Lebenswerk das Ansehen seines Vaters als Bildhauer weit übertreffen. Er wurde als Fürstbischöflicher Hofbildhauer in Würzburg (1771) prägend für die Epoche des Rokoko in Franken, sein Name ist geradezu ein Synonym dafür.
Seine schulische Ausbildung erhielt der junge Johann Peter in Obertheres. In der Werkstatt seines Vaters erlernte er die Anfangsfertigkeiten der Bildhauerei. Im Alter von 17 Jahren verließ er nach einem Familienkrach seine Heimat. Erstes Ziel seiner Wanderschaft war Wien, wo er bei seinem Onkel Johann Wagner wohnte. Sein weiterer Weg soll ihn durch Österreich, die Schweiz und die Niederlande über München nach Mannheim geführt haben. Diese Stationen sind nur vermutet und nicht beweisbar. Das Todesjahr seiner Mutter (1753) führte ihn nach Franken zurück. Noch im gleichen Jahr trat er als Geselle in die Werkstatt des Fürstbischöflichen Hofbildhauers ein. Nach dem Tod seines Meisters nur drei Jahre später, wurde er als Leiter der Werkstatt allgemein anerkannt. Der Titel erhielt er im Jahre 1771. Die Witwe Auwera (35), die Frau des verstorbenen Meisters, heiratete 1759 den sechs Jahre jüngeren Gesellen Johann Peter Wagner. Es soll nicht nur eine Zweckehe gewesen sein, sondern eine Liebesheirat. 1760 erfolgte der erste Großauftrag zur Ausstattung der Wallfahrtskirche in Limbach, der bedeutendste Auftrag jener Zeit in den Mainlanden.

"Das Würzburger Käpelle" Verlag Schnell + Steiner, ist ein Bildband über die berühmte Würzburger Wallfahrtskirche. Einer der vier Kapitel des Buches handelt vom Kreuzweg des Bildhausers Johann Peter Wagner.

(Weitere Info unter:
www.mainfraenkisches-museum.de/frames7.htm;

http: //www.freudenberg-main.de/wagner.htm)

Auf den Spuren dess Bildhauers Johann Peter Wagner

Der Großvater Jeremias wirkte noch bescheiden in seinem Heimatdorf Gebsattel, während der nach Obertheres übergesiedelte Vater Johann Thomas im Dienst des Klosters und für zahlreiche Kirchen des Haßgaus eine umfangreiche Tätigkeit entfaltete.

Als viertes Kind von Johann Thomas und Anna Maria Wagner, geborene Grubelt aus Obertheres, erhielt Johann Peter Wagner seine Schulausbildung in Obertheres und lernte in der Werkstatt seines Vaters.

Um seine Ausbildung zu vervollständigen, ging Johann Peter Wagner 1747 auf Wanderschaft, zunächst nach Wien, dann auf Reisen durch Österreich, die Schweiz und die Niederlande. 1756 trat er in die Auwera-Werkstatt in Würzburg ein und erfuhr in künstlerischer Hinsicht eine tiefe Prägung durch Wolgang von der Auwera. Drei Jahre später heiratete er dessen Witwe Maria Gordula von der Auwera. Kurz darauf wurde der fürstbischöfliche Hof auf ihn aufmerksam.

Johann Peter Wagner führte den bedeutensten Auftrag jender Zeit in den Mainlanden aus, die Ausstattung der Wallfahrtskirche Maria Limbach. 1767 ging er mit Margaretha Rossinger eine zweite Ehe ein, die 39 Jahre dauern sollte. Von den neuen Kindern erbten Johann Martin und Anna Margaretha das künstlerische Talent ihres Vaters.

1771 wurde dessen Gesuch zur Ernennung zum Hofbildhauer vom Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim genehmigt. Ab diesem Zeitpunkt erhielt Johann Peter Wagner alle neuanzufertigenden Bildhauerarbeiten zugewiesen und bis zur Jahrhundertwende ging eine wahre Flut von Aufträgen auf ihn nieder.

1802, im Jahr der Säkularisation, verlor Wagner jedoch diesen Titel und die Aufträge blieben aus. Recht unerwartet starb Johann Peter Wagner in Würzburg im Jahre 1809. Er wurde auf dem neuen Friedhof in Würzburg beerdigt. In der Vielgestaltigkeit seiner Arbeiten, die sowohl das Ausschmücken der fürstbischöflichen Raume und Gärten, sowie die Neuausstattungen von Kirchenräumen als auch untergeordnete dekorative Arbeiten umfasst, spiegelt sich das Bild eines in den Traditionen verwurzelten Bildhauers.

Sein ersten selbstständig ausgeführtes Werk waren die be3iden um 1756 entstandenen Seitenaläre in der Kirche von Großmannsdorf, es folgten 1760/61 der Hochaltar - in Anlehnung an Balthasar Neumann - die Kanzel und die beiden Seitenaltäre Limbach.

Als nach 1766 die Impulse des Auwera-Kreises ausbliegben, gewann Johann Peter Wagner an künstlerischer Eigenständigkeit. Sein Streben nach Klarheit, Übersichtlichkeit, gesammelter Ruhe bestimmten ihn für die Bildhauerarbeiten im Treppenhaus und im Garten der Würzburger Residenz und im Sommerschloss Veitshöchheim. Die ERstellung des Kreuzweges zum Würzburger Käppele sicherte dem Künstler bleibenden Ruhm.

Des weiteren sind von ihm vollständige Kirchenausstattungen heute noch in Bolzhausen, Grettstatt, Rohrbach und Unterspiesheim zu bewundern. In den beiden letztgenannten Kirchen kamen zunehmend klassizistische Vorstellungen zum Ausdruck. Dennoch gilt heute das Werk Johann Peter Wagners als Verkörperung des Spätbarock in Mainfranken.

Sein Sohn Johann Martin (1777-1858), der als Bildhauer und Maler wirkte, wurde von König Ludwig I. in den Adelstand erhoben. Er schenkte seine reichhaltige Sammlung an Stichen, Skulpturen und Handzeichnungen der Universität Würzburg und begründete  so das Wagner`sche Kunstinstitut.

Die einzige Arbeit des Künstlers in Obertheres ist die Madonnafigur Maria vom Siege, die in der Pfarrkirche Obertheres ihren Platz gefunden hat. Aber nicht nur das Geburtshaus in der Klosterstraße in Obertheres erinnert an den schaffensfreudigen Bildhauser. Die Gemeinde Theres ehrte ihren berühmten Sohn, indem sie die örtliche Schule und eine Straße nach ihm benannte.

Im Landkreis Haßberge sind seine Werke in folgenden weiteren Kirchen zu bewundern: Kreuzthal: Hochaltar; Leuzendorf: Epitaphe; Haßfurt (ehemalige Friedhofskapelle): Heiliger Michael und Maria Immaculata; Haßfurt (Ritterkapelle): Epitaph für Maria Barbar von Zuwesten; Dampfach: Hochaltar, zwei Seitenaltäre und die Kanzel; Wonfurt: Hochaltar; Knetzgau: Hochaltar.

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