Graf Walah und seine Gattin Megina - die ersten namentlich bekannten Thereser (Forsetzung)

In seinem Codex war Eberhard nicht kleinlich im Fälschen von Besitzansprüchen zu Gunsten des Klosters Fulda.Es ist auch heute nicht bekannt, ob ein Graf Walah in Theres lebte oder hier Besitz hatte.Das gewählte Jahr 802 soll diese Schenkung glaubhaft machen. Denn es gibt in der Tat einen Wala in der Umgebung Karls des Großen (748 – 814), der zum Jahr 802 passen würde.Dieser Wala (+ 836) war ein Neffe Karls d.G.. Sein Vater war Bernhard, ein Sohn Karl Martells mit einer nichtehelichen Ruodhaid, und somit Stiefonkel Karls d. G. .


Genealogische Tafel

Karl Martell + 720 ( 3 Frauen, 7 Kinder)
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Pippin III. + 768 (ehelich)     Bernhard + 787 ( unehelich)
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Karl d. Große + 814              Adalhard + 826 Wala + 836

 

Dieser Wala hatte einen Bruder namens Adalhard, was auf jenen Adalbert von Babenberg (+906) vorausweist, der 906 seine Burg in Theres in der Babenberger Fehde verteidigte. Dieser Adalbert hatte nämlich auch einen gut bezeugten Bruder namens Adalhart. Die Familien hatten damals die Gewohnheit, die wichtigsten Namen in ihrer Familie fortdauern zu lassen. Darin lag in der Zeit der Einnamigkeit die Möglichkeit, die Familien im Mannesstamm zu identifizieren.
Waren die Thereser Grafen von Babenberg also sogar von den Karolingern abstammend?

Nun zu dem oben schon erwähnten Stiefonkel Karls d. G. Bernhard und seiner Söhne Adalhard und Wala.Über die Unterwerfung der Langobarden 774 ist bekannt, dass das Heer in zwei Kolonnen maschierte, um Verluste gering zu halten. Karl der Große führte eine über den Mont Cenis, sein Stiefonkel Bernhard, der Vater Adalhards und Walas, denen eine bedeutende Karriere im Dienste des Königtums und der Kirche bevorstand, führte die andere Kolonne über den Großen St. Bernhard ( Der allerdings nicht nach ihm benannt ist.).

Weiter weiß man, dass Wala am Hofe Karls des Großen in die Regierungsgeschäfte eingebunden war. An der Spitze der mit den Verhandlungen betrauten Grafen um den Frieden mit den Dänen stand Wala, der Halbbruder Abt Adalhards von Corbie (auch Corvey),der Sohn Bernhards und einer Sächsin, mithin ein weiterer Halbcousin des Kaisers Karl d. G.
Wala trat am Hofe in die Spuren Adalhards, der nach dem Tod Pippins die Amtsgeschäfte in Italien führte.
Im Herrschaftsgefüge zur Zeit Karls des Großen standen der geistlichen Führungselite wohlausgewogen fünfzehn Vertreter der Reichsaristokratie in Gestalt mächtiger Grafen gegenüber. Die Reihe der Grafen wird von Wala angeführt, dem mächtigsten Mann bei Hofe an der Seite seines Halbbruders Adalhard.
Ihr Votum bewirkte, dass Ludwig der Fromme nach dem Tod seines Vaters Karl d. G. seine Herrschaft in Aachen antreten konnte gegen die Konkurrenz in der Familie, was ihm durch den entschlossenen Übergang des mächtigen Wala auf seine Seite ganz wesentlich erleichtert wurde. Graf Wala war Ludwig dem Frommen nun Berater (und Mitregent).
Wala war im Gegensatz zu seinen adeligen Zeitgenossen zweisprachig: gallo-romanisch (Vorläuferin des Französischen) und ostfränkisch.
Mit der Zeit wurde Wala am Hofe Ludwigs des Frommen aus seiner Stellung verdrängt. Er wurde Mönch und Gründer des berühmten Weserklosters Corvey. Er starb 836.
Von hier ergibt sich eine weitere Verbindungslinie zwischen diesem Wala und dem Walah, der Theres an das Kloster Fulda schenkte. Das Kloster Corvey hatte nämlich die Patrone St. Stephan und St. Vitus wie auch die Klosterkirche von Theres. Diese Verbindung kann auch durch Bischof Suidger von Bamberg (Gründer des Kloster Theres um 1046) geknüpft worden sein Mit St. Stephan und St. Veit wollte Suidger wohl seiner sächsischen Heimat gedenken: Stephan ist Patron des Halberstädter Doms, Stephan und Vitus sind die Patrone des sächsischen Hauptklosters Korvey an der Weser. Das , wie oben schon angeführt, Wala über zweihundert Jahre vorher gegründet hatte.
Oder wusste Bischof Suidger damals -was wir heute nicht mehr wissen oder noch nicht wieder wissen-, dass dieser Wala einst Graf in Theres war oder hier zumindest Besitz hatte, und hat gerade wegen dieses geschichtlichen Bezuges die Klosterpatrone von Korvey für das neu zu gründende Kloster Theres auserwählt.
Bei der Machtfülle des Grafen Wala wäre es nicht nur für die Geschichte von Theres von großer Bedeutung, wenn sich bestätigen ließe, dass er identisch mit dem Thereser Walah ist oder eben nicht.
Oder ist der Thereser Walah gar nur eine Erfindung des Mönches Eberhard?

Hans-Peter Reis, Theres

Verwendete Literatur:
Erzbischöfliches Ordinariat Bamberg: Clemens II. Der Papst aus Bamberg 1997
Dr. Rolf Sprandel:Theres Und die Welt um das Jahr 802 2002
Gemeinde Theres: Das alte Theres in Bildern 2002
Dieter Hägermann: Karl der Große – Herrscher des Abendlandes 2003
Dr. Rainer Wailersbacher: Die Knetzgauer Erstbeurkundung von 911 2005

Nächste Folge:
Die Thereser Grafen von Babenberg – Nachfahren Karls des Großen und Vorfahren Otto des Großen

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